Betrachtet man die Vielzahl der Gründungen von Freiwilligen Feuerwehren, gerade auch im Saarland vor und nach der Mitte des 19. Jahrhunderts, so hilft bei der Deutung dieses Phänomens ein Blick in die vorangegangene Zeit. Man wird diese Gründungsakte von Freiwilligen Feuerwehren danach als eine erfolgreiche und dauerhafte gesellschaftliche Innovation begreifen können, die auf der Erkenntnis beruht, dass vorangegangene Lösungsversuche sich in der Praxis nicht bewährt haben.

 

Es hatte sich zu diesem Zeitpunkt allgemein herausgestellt,

- dass mit passivem Brandschutz allein den häufigen Brandkatastrophen, bei denen viele Anwesen vernichtet wurden, nicht beizukommen war.

- dass Verordnungen durch die Obrigkeit, die die erwachsene Bevölkerung im Brandfall insgesamt zur Hilfeleistung in einem vorgeschriebenen Umfang verpflichtete, nicht effektiv waren. Die für das Saarland bekannten derartigen Verordnungen regeln zwar in mehr oder weniger detaillierter Weise die Pflichten des Einzelnen bzw. der Berufsgruppe, gaben aber keine genauen Vorgaben bezüglich der Einsatzleitung und der Einsatzstruktur.

- dass nach dem Prinzip der Freiwilligkeit zusammengestellte, hochmotivierte Feuerwehren aufgrund eingeübter Einsatzabläufe den durch die Obrigkeit angeordneten Pflichtwehren (Brandcorps) überlegen waren.

 

Zudem führte die Vielzahl der Neugründungen offensichtlich dazu, dass in dieser Zeit die Entwicklung spezieller Gerätschaften (Pumpen, Schlauchmaterial, Leitern, etc.) verstärkt in Gang kamen und diese aufgrund größerer Nachfrage preisgünstig auf den Markt gebracht wurden. Dies erleichterte in einem sich selbst verstärkenden Prozess die Gründung von Wehren auch in kleineren Gemeinden.

 

1667 lebten in den Dörfern Außen, Bettingen und Goldbach, das 1797 zu Bettingen kam, nur noch etwa 130 Menschen¹. Dies war die Folge des 30-jährigen Krieges und des sich anschließenden spanischen Erbfolgekrieges, die die Dörfer durch Flucht und Tod infolge von Kriegseinwirkungen, Seuchen und Hungersnöten mehr als die Hälfte ihrer Einwohnerzahl kosteten. In der Folgezeit wuchs die Bevölkerung durch Zuzüge von außerhalb erheblich und dank einer hohen Geburtenrate wieder rasch an. Bis zum Jahr 1707 verdreifachte sie sich fast auf 320 Menschen. Im Jahr 1800 lebten bereits 933 Menschen in unseren Heimatdörfern und trotz der Auswirkungen der napoleonischen Kriege verdoppelte sich die Zahl bis in das Jahr 1832 noch einmal auf 1.807.

 

Mit diesen wenigen Zahlen lässt sich eine wahre Bevölkerungsexplosion beschreiben, die die Lebens- und Wohnverhältnisse der Menschen tiefgreifend beeinflusste. Die Lebensverhältnisse eines Großteils der Bevölkerung verschlechterte sich zusehends, da die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen nicht wesentlich vergrößerbar waren und auch die Verbesserungen im Landbau den gestiegenen Nahrungsmittelbedarf nicht durch eine entsprechende

Produktionsmengensteigerung wett machten.

 

Zudem hatte nur ein geringer Teil der Haushalte überhaupt Landbesitz in unseren Dörfern. Vom 27.02.1846 exsistiert der Bericht eines „Comites" an den Bettinger Bürgermeister Franken, der einen Überblick über die Not in Außen, Bettingen und Gresaubach gibt. Dem „Comite" gehörten der Bettinger Pfarrer Persch, der Beigeordnete der Bürgermeisterei Bettingen und Faktor (Verwalter) der Bettinger Schmelze Peter Braß sowie der Außener Bäcker, Kaufmann und Gastwirt Poller an.

 

„Die Gemeinde Außen zählt ca. 238 Haushaltungen.

 

Um einen leichten Überblick zu gewinnen, wollen wir diese Haushaltungen in drei Klassen einteilen.

 

Klasse I: Zu dieser Klasse zählen wir die Ackerbautreibenden, welche Gespanne haben.

Nur 68 Haushaltungen gehören zu dieser Klasse.

 

Klasse II: Zu dieser Klasse zählen wir diejenigen, die keinen Ackerbau betreiben, sondern sich als Handwerker oder Tagelöhner ernähren. Zu dieser Klasse zählen wir 96 Haushaltungen.

 

Klasse III: Zu dieser Klasse zählen wir die Bettler, welche auf die Wohltätigkeit ihrer Nebenmenschen angewiesen sind und sich meistens vom Betteln ernähren.

Diese proletarische Klasse zählt 65 Haushaltungen mit 264 Seelen.

Die neun unter diesen Klassen nicht gezählten Haushaltungen sind auf der „Bettinger Schmelz" wohnhaft und ernähren sich ohne fremde Unterstützung.

Aus dieser Aufstellung geht hervor, dass die Gemeinde Außen unvermögend ist, ihre Armen zu ernähren, denn auch die zur II. Klasse gezählten bedürfen gegenwärtig der Unterstützung. Der Unterstützung bedürftig gibt es also 161 Haushaltungen. (...)

 

Erwägen wir, dass die II. Klasse gegenwärtig nicht im Stande ist, für das beantragte Mehl und die Kartoffeln zu zahlen, und die III. Klasse nie etwas wird zahlen können, so erlauben Sie uns die Bitte, dahin wirken zu wollen, dass die II. Klasse die erforderlichen Nahrungsmittel zu ermäßigten Preisen gegen Stundung bis nach der diesjährigen Ernte, die III. Klasse aber, weil ganz zahlungsunfähig, dieselbe aus Staatsfond erhalten. Wir haben die Überzeugung, dass ohne direkte Unterstützung des Staates zur Linderung der Notlage in Außen noch in diesem Frühjahr herzzerreißende Situationen vorkommen müssen, da jene Gemeinde kein Mittel besitzt, um den sich von Tag zu Tag mehrenden Mangel an Nahrungsmittel zu steuern. Zudem können wir den Wunsch nicht unterdrücken, da es in hiesiger Gegend zu sehr an Gelegenheit fehlt, den projektierten Kirchenbau in Bettingen zu beginnen, um manche fleißige Hand zu beschäftigen. (...)

 

Am gleichen Tage untersuchte das „Comite„ auch die Notlage in der Gemeinde Bettingen und kam zu folgendem Ergebnis:

 

„Die Gemeinde Bettingen zählt ungefähr 152 Haushaltungen. Diese Haushaltungen teilen wir in 3 Klassen ein.

I.Klasse der Ackerbautreibenden 117

II.Klasse der Handwerker und Tagelöhner 18

III.Klasse der Bettler 17

Gesamtzahl der Bedürftigen: 35

 

davon 17 aber auf die Wohltätigkeit ihrer barmherzigen Nebenmenschen angewiesen sind. (...)

 

Am gleichen Tage untersuchte das „Comite" auch die Notlage in der Gemeinde Gresaubach und kommt zu folgendem Ergebnis:

„Die Gemeinde Gresaubach zählt ca. 104 Haushaltungen. Wir teilen diese Haushaltungen in 3 Klassen ein:

 

I. Klasse der Ackerbautreibenden 92 Haushaltungen

II. Klasse der Handwerker und Taglöhner 7 Haushaltungen

III. Klasse der Bettler 5 Haushaltungen

Gesamtzahl der Bedürftigen: 12 Haushaltungen

 

Aus dieser Darstellung gewinnen wir die Überzeugung, dass die Gemeinde Gresau-bach wohl im Stande wäre, ihre Armen zu ernähren, wenn das Armenwesen geordnet und das Betteln nicht mehr geduldet würde. (...)²"

 

 

 

 

Der Besitz pro Haushalt an landwirtschaftlich nutzbaren Flächen sank zudem auf Grund der Realerbteilung alle erbberechtigten Kinder erhielten vergleichbare Flächenanteile. Große Bevölkerungsteile verarmten und waren gezwungen sich in den Sommermonaten als Feld- und Tagelöhner zu verdingen und zusätzlich im Nebenerwerb als Handwerker zu betätigen, obwohl die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen nicht entsprechend groß war. Diesen Sachverhalt hat A. Prediger für Rehlingen nachgewiesen3; er kann uneingeschränkt auf die Dörfer des Primstales übertragen werden. Um die Zahl der Kostgänger in den Familien zu verringern, war man zusätzlich gehalten, Kinder als Knechte oder Mägde bei größeren Bauern in Stellung zu bringen. Die stark wachsende Zahl der Bevölkerung verlangte natürlich den Zubau an Wohnraum in den Dörfern. So wurden im Erbfall nicht nur die Felder geteilt, sondern auch die Hausgrundstücke, selbst die Häuser.

Um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, wurden mit billigsten Baumaterialien An- und Neubauten errichtet. Aufgrund der herrschenden Armut wurden selbstverständlich auch notwendige Hausreparaturen möglichst preisgünstig getätigt. Diese Faktoren hatten Folgen für das Siedlungsbild. Die Dächer waren in der Regel strohgedeckt, die Häuser waren in Fachwerkkonstruktionen errichtet, die Wandfelder mit einem Lehmgemisch auf Holzflechtwerk ausgefüllt, die Decken waren holzgewickelt und mit Leinöl getränkten Dielen versehen, die Kamine waren oft nicht sachgerecht gemauert oder gar in Holz ausgeführt. In Kombination mit eingebrachtem Heu/Stroh im Dachraum bestand eine latente Brandgefahr, gerade auch in den Heumonaten. Zudem kam, dass die Häuser mit ihren vielfältigen Anbauten aufgrund der Erbteilung gerade dort am Engsten standen, wo die ärmste Bevölkerungsgruppe wohnte. Hier standen die strohgedeckten Häuser dicht an dicht. Wer heute den Außener Himmelberg besucht, kann sich noch in etwa ein Bild von diesen Verhältnissen machen, obwohl viele Anbauten und kleinere Häuser in den letzten Jahrzehnten abgerissen wurden.

 

Erst in jüngster Zeit wurde von dem Heimatforscher Johannes Naumann das bisher älteste schriftliche Zeugnis über Brandschutzvorkehrungen in unserer Heimat entdeckt4. Es ist die Polizeiverordnung der Meierei Bettingen vom 30. Okt. 1769. Nach dem Tode des letzten lothringischen Herzogs Stanislaus Lesczynski im Jahre 1766 war das Amt Schaumburg an Frankreich gefallen und blieb bis zum Tauschvertrag mit Pfalz-Zweibrücken 1787 französisch. Die Polizeiverordnung für die Meierei Bettingen wurde vom Amt Schaumburg erlassen und wurde vor den Jahrgedingen vor-gelesen und regelte die wichtigsten Angelegenheiten des Gemeindelebens. Die Polizeiverordnung umfasst 31 Punktationen, davon befassen sich 6 Artikel mit Brandschutzvorkehrungen:

 

„1. Wir schärfen allen ein, sich gemäß den Verordnungen zur Abwehr von Feuersbrünsten zu verhalten und befehlen Meier und Schöffen für die Befolgung dieser Verordnungen unter Androhung der vorgesehenen Strafen zu sorgen.

 

7. Verbot des Trocknens von Holz, Hanf, Leinen oder anderen brennbaren Materialien in oder bei Öfen und Kaminen wegen der Brandgefahr, unter Androhung der selben Strafen wie zuvor.

 

8.Verbot des Strohdreschens und trocknens im Bereich von Feuerinnerhalb des Dorfes. Verbot, Scheunen oder Stallungen mit einer Lampe oder offenem Feuer zu betreten. Jeder Haushalt muss deshalb über eine Laterne verfügen, welche von Meier und Schöffen alle 3 Monate zusammen mit anderen Gegenständen in Augenschein genommen werden muss. Besagte Gerichtsleute haben ein Protokoll gegen die Personen zu fertigen, bei denen die Laterne nicht in ordnungsgemäßen Zustand vorgefunden wird. Strafe 5 Franc.

 

9.Verbot des Rauchens von Tabak in den Scheunen und Stallungen unter Strafe von 5 Franc bei Erstvergehen. Im Wiederholungsfall ist die Strafe höher.

 

18. Schärfen wir allen ein, Gruben zum Trocknen von Hanf und Leinen außerhalb des Dorfes auszuheben, die mindestens 5 toises (altes franz. Längenmaß, eine toise entspricht etwa einem Steinwurf) vom Dorf entfernt sind, unter Androhung einer Strafe von 5 Franc.

19. Schärfen wir allen ein, Öfen und Kamine in Stand zu halten unter Androhung der selben Strafen wie zuvor und unter Verantwortung der etwaigen Folgen bei Nichtbeachtung.5"

 

Zum besseren Verständnis bezüglich des Artikels 18 muss darauf verwiesen werden, dass Hanf und Flachs im Zuge des Verarbeitungsprozesses zu Textilien in flachen Gruben geröstet werden muss und es dabei zu Funkenflug kommen kann.

 

Bemerkenswert in der Polizeiverordnung vom 30. Okt. 1769 ist auch, dass sie zur Brandverhütung lediglich Verhaltensordnungen erlässt, also auf bauliche Regelungen im Sinne eines passiven Brandschutzes verzichtet.

 

Von 1787 bis 1793 kam die Meierei Bettingen zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, in dem es seit 1778 eine eigene Feuerordnung gab. Die neuen Herren führten insgesamt ein strenges Regiment ein und versuchten auch dem Übel der Brände gründlich an die Wurzeln zu gehen. So wurde die Einhaltung von Verhaltensregeln zur Vorbeugung gegen die Brandgefahr von einer Polizeitruppe streng kontrolliert und unter anderem die Eindeckung von Neubauten mit Stroh untersagt. Solche kostspieligen Neuerungen verursachten in der ärmlichen Bevölkerung Unmut und diese versuchte natürlich auch diese Neuerungen zu umgehen. So, indem sie zum Beispiel aus Kostengründen bei Neubauten vorläufige Genehmigungen für Stroheindeckungen für 1 bis 2 Jahre zu erhalten versuchten, um diese dann zu belassen6. Eine Verhaltensweise, die wir auch heute noch auf vielen reglementierten Rechtsgebieten beobachten können.

 

Der pfalz-zweibrückischen Herrschaft fällt auch der Verdienst zu, auf einen aktiven Brandschutz gedrängt und die Einführung von Brandschutzgeräten durchgesetzt zu haben. Für die Orte Außen und Gresaubach der Meierei Bettingen wurden je eine Feuerspritze (für Gresaubach nachgewiesenermaßen eine tragbare) angeschafft. Die Gresaubacher Feuerspritze war 1818 noch vorhanden, aber nicht betriebsbereit. Die Außener Feuerspritze war offenkundig zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden. Auf Anordnung von Bürgermeister Groß der Meierei Bettingen vom 12.09.1818 war die Gresaubacher Feuerspritze auf das Bürgermeisteramt nach Bettingen zu schaffen „und die Reparaturen derselben unverzüglich in Verdingung zu geben"7.

 

Aus diesen Bemerkungen lassen sich mehrere Vermutungen ableiten:

- Aus welchen Gründen auch immer, wurde für Bettingen in der pfalzzweibrücker Zeit keine Feuerspritze angeschafft, obwohl aus den Nachbarorten Außen, wegen der fehlenden Brücke über die Prims und Gresaubach, wegen der Entfernung, nur schwerlich Hilfe im Brandfall her beizuschaffen war.

- Technisches Gerät braucht kundige Wartung und Bedienung, von daher spricht einiges dafür, dass es zu dieser Zeit bereits eine Art Feuerwehr gegeben hat.

 

In die französische Besatzungszeit zwischen 1793 bis 1814 fällt die größte Brandkatastrophe in unserer Heimat. Angesichts der beschriebenen Baustruktur von Außen ist es kein Wunder, dass dieser Ort betroffen war. Ein Brand im Mai 1807 griff auf 60 Häuser über und vernichtete sie. Wie wir aus einem Bericht des Bürgermeisters Groß an den Landrat vom 12.09.1818 entnehmen können, war bei diesem Brand vermutlich die pfalz-zweibrückische Feuerspritze im Einsatz. Es erwies sich jedoch, dass sie nicht wirksam eingesetzt werden konnte, weil das Feuer rasch auf die benachbarten Strohdächer übergriff.

 

Die Namen der obdachlos gewordenen Familien sind in der Chronik zum 150-jährigen Jubiläum der Feuerwehr Schmelz veröffentlicht. In ihr wird auch darauf verwiesen, dass solcherlei große Brandkatastrophen keine Seltenheit waren.

 

- So verbrannten 1817 in Picard die Wohnungen von 18 Familien.

- 1820 verbrannten in Roden in 2 Stunden 139 Häuser, wobei 145 Familien mit 719 Personen obdachlos wurden.

- Im Januar 1821 verbrannten in Gresaubach 5 Häuser und 4 Scheunen.

- Und im Herbst 1854 war Außen erneut betroffen. Ein Brand forderte 28 abgebrannte Häuser.

 

1816 kam unser Gebiet endgültig zu Preußen. Ähnlich der pfalz-zweibrücker Bemü-hungen um die Regelung des Brandschutzes ging die preußische Obrigkeit systematisch und energisch ans Werk. Sie konnte dabei auf bewährte Lösungsansätze aus ihrem bisherigen Herrschaftsbereich zurückgreifen. Die königlich preußische Regierung zu Trier, die für unseren Raum zuständig war, verwies im Amtsblatt der Regierung zu Trier vom 21.12.1816 auf das Gesetz vom 22.07.1791, ebenso wie auf Gesetze der französischen Zeit und hielt dazu an, diese im neu gewonnenen Herrschaftsbereich umzusetzen8. Ihre Lösungsansätze bestanden in dem Erlass detaillierter Verordnungen und intensiver Kontrolle. Ordnungsgeber waren die preußischen Landräte, deren Vorgehensweise wohl abgestimmt war, was parallele Vorgänge zum Beispiel in den Landkreisen Merzig und Saarlouis belegen.

Der Saarlouiser Landrat Jacob Christian Schmelzer veröffentlichte in schneller Folge zwischen dem 02.10.1816 und dem 18.03.1818 drei Verordnungen im „Intelligenzblatt des Kreises Saarlouis". In der ersten Verordnung vom 02.10.1816 griff er zunächst die bereits in der Polizeiverordnung vom 30.10.1769 aufgeführten passiven Brandschutzvorschriften auf und bewehrte sie im Verstoßensfall mit harten Strafen. Zudem wurden die Pflichten der Einwohner im Brandfall bestimmt und versucht, die Löscheinsätze zu ordnen. So mussten Einwohner, deren Haus über einen Brunnen verfügte, Wasser zur Verfügung stellen. Geräte, wie Zuber oder Leitern, waren zu stellen. Handwerker hatten ihre geeigneten Werkzeuge mitzubringen. Die Einsatzleitung oblag dem Ortsvorsteher. Allein schon an der Bereitstellung von geeigneten Eimern und Zubern hat es gemangelt. Nur so ist es zu verstehen, dass in der Verordnung vom 18.03.1818 festgelegt wurde, dass Neuvermählte Feuereimer zu erwerben hatten, deren Beschaffenheit auf das Genaueste vorgeschrieben waren9.

Der in der Verordnung vom 23.04.1817 vorgeschrieben Bildung von „Feuerlösch- Vereinen" ist man in der Meierei Bettingen wohl aus Geldmangel nicht nachgekommen. Dies jedenfalls ist einem Schreiben des Bürgermeisters Groß an den Landrat Schmelzer vom 12.09.1818 zu entnehmen, dem ein Beschluss des Schöffenrates der Bürgermeisterei Bettingen zu Feuerlöschwesen zugrunde liegt. Da dieses Schreiben einen tiefen Einblick in die Situation in unserer Gemeinde wiedergibt, ist es hier nachgedruckt:

 

„In Erwägung,

1. dass die Häuser in hiesigen Gemeinden alle mit Stroh gedeckt sind, mit Ausnahme einiger weniger, die seit kurzem mit Ziegeln und Schiefer gedeckt wurden - und wie die Erfahrung allgemein lehrt, und in der Gemeinde Außen, wo unter vormaliger Herzoglich-zweibrückischer Regierung eine Feuerspritze vorhanden war, es sich selbst bewies, dass die Anwendung von Feuerspritzen wo lauter Strohdächer bestehen, nicht den Nutzen gewähret, als wie für die Ziegel oder Schieferdächer

2. dass auch selbst nach der entfernten Lage von einer zur anderen Gemeinde die Anschaffung einer einzigen Feuerspritze, dieselbe nicht allen sondern nur jener Gemeinde, worin sie aufbewahrt wird, von Nutzen wäre

3. dass man bei diesem allerdings sehr wichtigen und richten Vorschlag nach den Lokalverhältnissen das Zweckmäßigste mit Berücksichtigung der Gemeindemittel beabsichtigen muss. Ist daher, mit Bezugnahme auf den unterm 7. Februar 1817 in Folge der V. O. Königl. Höchster Regierung im Amtsblatt Nr. 55 – Bekanntmachung 398 – 1816 in Betreff gemachter Vorschlag des Bürgermeistereirats der Meinung:

1. Dass die Gemeinde Außen mit den Gemeinden Hüttersdorf und Buprich einen Feuerlöschverein bilde, weil durch die Lage dieser Gemeinden bei einem in regnerischer Jahreszeit entstehenden Brand wegen des Anschwellens des Flusses Prims, worüber keine Brücke führt, deshalb den anderen hiesigen Gemeinden keine Hilfe geleistet werden kann und dass rücksichtlich der Bauart der Häuser, des dasigen Wassermangels und der Mittel dieser Gemeinde folgende Gegenstände und Gerätschaften pro 1819 angeschafft werden, bis dahin die gefährlichen Strohdächer, wo nicht ganz abgeschafft, doch wenigstens mit Schiefer- oder Ziegeldächern so vermischt sein werden, dass die Anschaffung einer Feuerspritze zweckmäßiger wäre, nämlich, (für Außen)

 

a) sechs zweckmäßig eingerichtete Schlitten mit kleinen Rädern, wo auf einem jeden ein 6 – 8 büttiges Wasserfass befestigt ist, um das Wasser aus dem Fluss Prims beizufahren.

 

b) dreißig Feuereimer. Diese müssten jedes Jahr bis zur benötigten Anzahl vermehrt werden.

 

c) 12 Haken und 10 Leitern und endlich

 

d) dass die in der Gemeinde vorfindlichen schwach fließenden Borne mit mehreren Trögen gefangen werden, d. h. dass das aus dem ersten Trog ablaufende Wasser durch Teuchelleitung in die auf verschiedenen zweckmäßigen Punkten anzubringenden anderen Tröge geführt werden, so dass das dem einen Trog ablaufende Wasser in die anderen übergeht.

2. Dass in der Gemeinde Bettingen, wo nur drei nebeneinander isoliert stehende Häuser mit Ziegeln sich vorfinden, rücksichtlich der Anschaffung von Feuerspritzen vorderhand das nämliche wie für die vorgedachte Gemeinde Außen eintritt, demnach die pro 1819 anzuschaffenden Gegenstände mit Berücksichtigung der Lokalverhältnisse Folgende wären:

a) 30 Feuereimer, welche jedes Jahr bis zur benötigten Anzahl vermehrt werden müssen

 

b) 10 Leitern und 10 Haken, endlich

 

c) müssen die beiden Quellen in Bettingen und Goldbach, die auf den Punkten der Gemeinden sich befinden, wo die Prims entfernt ist, mit Quadersteinen gefasst und das ablaufende Wasser mehrmals in Trögen gefangen werden.

 

3.Dass in der Gemeinde Gresaubach, welche auf allen Punkten Wasser hat, und woselbst sich nach der Erklärung des Schöffen Spang noch in einem ganz unbrauchbaren Zustande sei

a)die tragbare Feuerspritze unverzüglich wieder in brauchbarem Zustand gestellt werden

b) usw.

Entsprechende Vorschläge werden auch für Limbach und Dorf gemacht. In diesem Zusammenhang richtete der Bürgermeister an die Herren Schöffen in Gresaubach am 12.09.1818 folgendes Schreiben:

„Sie wollen die in der Behausung des Herrn Schöffen Spang sich befindliche Feuerspritze aufs Bürgermeisteramt dahin schaffen, um die Reparaturen derselben unverzüglich in Verdingung zu geben."10"

   
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